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Umgeschulte Linkshänder

von Christiane Berg, Hamburg

Linkshändigkeit galt über viele Jahre als "nicht normal". Anzunehmen, das sei überholt und es werde heute von Eltern und Lehrern nicht mehr der Versuch unternommen, das Kind von links nach rechts "umzuschulen", ist falsch. Zwar wird nicht mehr, wie früher praktiziert, mit Schlägen auf die linke Hand oder Festbinden gearbeitet. Heute ist es eher üblich, das linkshändige Kind durch moralischen Druck oder Versprechungen von Geld und Süßigkeiten vom Gebrauch der rechten Hand zu überzeugen.

Ob bewusst oder unbewusst, ob durch äußeren Einfluss oder aus eigenem Bedürfnis, von der linken auf die rechte Hand umzusteigen, weil es "die anderen auch so tun": Eine Umschulung der Händigkeit ist oft mit Risiken und Belastungen für das weitere Leben verbunden, so Dr. Johanna Barbara Sattler, Leiterin der Ersten deutschen Beratungs- und Informationsstelle für Linkshänder und umgeschulte Linkshänder - ONRS (Organization for Neutral Research and Science), Sendlinger Straße 17, 80331 München, Telefon: (0 89) 26 86 14 (www.lefthander-consulting.org). Sattler spricht von einem der "massivsten unblutigen Eingriffe in das menschliche Gehirn".

Übertragungsblockierungen

Die Psychotherapeutin: "Wenig bekannt ist, dass durch die bewusste oder unbewusste Umschulung der Händigkeit die überkreuz mit der Handlungshand verbundene dominante Hemisphäre, bei Linkshändern also die rechte Gehirnhälfte, dominant bleibt, nun aber bei gleichzeitiger Überlastung der anderen Hemisphäre, die mehr Aufgaben übernehmen muss, aktionsbehindert und gehemmt ist. Es kann zu Störungen, zu einer Art Kurzschluss und zu Übertragungsblockierungen mit gravierenden Folgen kommen, da Gedächtnis, Belastbarkeit, Reaktions- und Konzentrationsfähigkeit negativ beeinflusst werden."

Bei gleicher Intelligenz zeigen Betroffene oftmals geringere geistige Leistungen, so schildert die Autorin zahlreicher Bücher und Aufsätze in Fachzeitschriften zum Thema "Umgeschulte Linkshänder" ihre fast zwanzigjährigen Erfahrungen aus der täglichen Praxis. Diese neigen zu Versprechern und zum Stottern, verlieren oft den Faden, haben Minderwertigkeitsgefühle, sind gehemmt, werden schließlich schweigsam und ziehen sich aus Angst vor der Blamage zurück. Manche gehen früher von der Schule ab und versuchen später mühevoll einen Schulabschluss auf dem zweiten Bildungsweg nachzuholen. Diskutiert werden in diesem Zusammenhang auch Bettnässen und Legasthenie.

Oft "links vorbeitherapiert"

Ihre Probleme führen Betroffene nur selten auf die Umschulung zurück. Sie halten ihre Unfähigkeit für persönliches Unvermögen und mangelnde Begabung. In ihrer seelischen Not suchen viele dieser Menschen Hilfe bei Therapeuten, doch wird dort laut Sattler oft "links vorbeitherapiert". Umgeschulte Linkshändigkeit als die Ursache von Ängsten, Minderwertigkeitsgefühlen, Vermeidungsreaktionen, Hemmungen, Rückzugstendenzen und Depressionen zu erkennen, sei schwer und bedürfe entsprechender Fachkenntnisse.

Die "ONRS-Brain-Breaking-Hilfe", eine Vereinigung von Fachleuten, informiert über differenzialdiagnostische Methoden oder die Risken und Chancen einer Rückschulung. Bereits 1985 wurde eine Beratungsstelle (Montag bis Donnerstag 9 bis 17 Uhr, Freitag 9 bis 13 Uhr, telefonische Fachberatung Mittwoch 14 bis 15 Uhr, Termine nach Vereinbarung) für Linkshänder und umgeschulte Linkshänder sowie für Eltern betroffener Kinder eingerichtet, die angesichts zahlreicher verschiedener Meinungen oft rat- und hilflos sind. Hier werden individuell Kontakte zu therapeutischen Ansprechpartnern, vornehmlich Ärzten, Ergo- und Moto- und auch Psychotherapeuten beziehungsweise Heilpädagogen in den einzelnen Bundesländern vermittelt oder Adressen von Läden und Versandhandel für Linkshänder-Gebrauchsgegenstände genannt.

Schwierigkeiten bei der Beurteilung der schulischen Leistungen von umgeschulten Linkshändern zu berücksichtigen, wäre ein sinnvoller Beitrag zur Chancengleichheit, so Sattler. Sie verweist auf Schätzungen, nach denen 50 Prozent aller Menschen ursprünglich Linkshänder sind. "Laut Statistiken sind es allerdings oft nur 15 Prozent. Die Differenz dürften umgeschulte Linkshänder sein, die häufig mit den beschriebenen Problemen zu kämpfen haben. Es wäre interessant zu wissen, wie viele davon die psychotherapeutischen Praxen füllen."

 

Weitere Informationen:

Judith Bremer, Dipl.Päd. Händigkeitsberatung, Kappeln, Tel.: 04642/924843, Judith.Bremer@t-online.de

www.lefthander-consulting.org

www.linkshaenderforum.org

 

Auf den Anfang kommt es an! - Rechenschwäche früh erkannt!

Nach wenigen Schulwochen in der ersten Klasse, wird schon deutlich, welche Kinder Lernschwierigkeiten haben, wo sich eine Lese-, Rechtschreibschwäche abzeichnet und welche Kinder Gefahr laufen eine Rechenschwäche zu entwickeln. Leider fallen rechenschwache Kinder im  Anfangsunterricht oftmals nur durch ihre Langsamkeit auf. Der Gedanke, dass diese Kinder, deren fehlendes Zahl- und Mengenverständnis nicht erkannt wird,  einfach nur mehr Zeit und Übung benötigen, ist ein folgenschwerer Irrtum! In ihrer Not bleiben die Kinder auf die Zählstrategie angewiesen, die durch viele Materialien in den Schulbüchern noch unterstützt wird. Eine gewisse Zeit können sie damit unauffällig überbrücken, aber  gleichzeitig manifestiert sich die Rechenschwäche. Eltern sollten hier aufmerksam sein und auch für Lehrer stellt sich nicht die Frage, ob in ihrer Klasse rechenschwache Kinder sitzen, sondern wie viele es sind, und vor allem welche Kinder eine entsprechende Unterstützung benötigen.

Sie sind der Meinung, dass Zählen im Anfangsunterricht (und auch später) unbedenklich ist? Fühlen Sie sich gerne mit dem folgenden Experiment in die kraftraubende Zählstrategie der betroffenen Kinder ein:

Aufgaben für rechenschwache Kinder

Aufgaben für Erwachsene

Zähle von 16 rückwärts

Sage das Alphabet von P aus rückwärts auf

5 + 3 =

Zähle von E 3 weiter

7 – 5 =

Zähle von G 5 zurück

3 + __ = 9

Wie viele Buchstaben sind es von C bis I?


___ – 8 = 2

Von wo muss ich losgehen, wenn ich 8 zurückgegangen bin und bei B lande?

Tabelle: Kerstin Schuckmann

 

Wenn Kinder endlos für „einfachste“ Aufgaben brauchen, ist schnelle, effektive Hilfe nötig!

Hier können Sie mit uns rechnen! 

Auch wenn Ihr Kind schon eine höhere Grundschulklasse 

  oder eine  weiterführende Schule besucht,

  für eine entsprechende Förderung ist es nie zu spät.